Stopp, Risiken bewerten, Verträglichkeit prüfen

Jägerinnen und Jäger aus dem Hegering IV überreichten gestern eine Resolution gegen Fracking in Leese

Das geplante Fracking der Exxon Mobil im Bereich Leese stößt auf breiter Front auf Widerstand – und das längst nicht nur im Leeser Bereich. Gestern überreichte eine Abordnung der Jäger aus Leese und Umgebung gemeinsam mit dem Leeser Bürgermeister, Grant Hendrik Tonne, dem Bürgermeister der Samtgemeinde Mittelweser, Bernd Müller, eine Resolution.

H20120405-ABernd Müller begrüßte Jette von Weiler, Alexander Graf von Hardenberg, Karl-Heinz Dose und Grant- Hendrik Tonne im Ratssaal des Stolzenauer Rathauses. „Wir möchten als Jägerinnen und Jäger zur Thematik Stellung beziehen“, sagte Dose, „der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen liegt uns am Herzen“. Es sei für die Jägerinnen und Jäger nicht nachvollziehbar, dass dort mit einer risikobehafteten Technik Erdgas gefördert werden soll, das niemand benötige, weil genügend Erdgas aus konventioneller Förderung verfügbar sei. In der Resolution heißt es (Auszüge): „Die unterzeichnenden Jägerinnen und Jäger aus Leese und Umgebung fordern von den verantwortlichen Politikern: 1. Den kurzfristigen Erlass eines Moratoriums, um alle Probebohrungen und Fördermaßnahmen mittels Fracking zu stoppen. Ähnliches gibt es bereits in Nordrhein-Westfalen, Frankreich und anderen Ländern. Das Moratorium soll so lange gelten, bis abschließend wissenschaftlich geklärt ist, ob Verunreinigungen von Boden, Oberflächen- und Grundwasser sowie Erdbeben, verursacht durch dieses Verfahren, auch langfristig ausgeschlossen werden können. Wir wollen hier keine Altlasten für nachfolgende Generationen. 2. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung unter Beteiligung aller Träger öffentlicher Belange zur Feststellung der Auswirkungen des Vorhabens auf die Umwelt im hiesigen Raum. 3. Sollte es dennoch zu Fracking- Erdgasbohrungen in Leese kommen: Die in Höhe und Zeit unbegrenzte rechtliche Garantie von Exxon Mobil, dass Boden, Oberflächenund Grundwasser frei von giftigen, krebserregenden oder erbgutschädigenden Stoffen bleiben sowie Erdbeben, auch kleineren Ausmaßes, ausgeschlossen sind, mit Beweispflicht für das verantwortliche Unternehmen.“ Tonne sprach von einer beeindruckenden Unterstützung, die sich durch alle Alters- und Berufsschichten ziehe. Und anders als bei vielen anderen Verfahren, bei dem sich sonst eigentlich immer die Kritiker von Initiative melden, habe es hier die überwiegende Zahl der Stimmen gegeben, die gesagt hätten: „Es ist richtig, was ihr macht. Macht weiter!“ Trotz der Unterstützung gehe es jetzt mit Blick auf die Langzeitsicherung darum, noch einige wichtige Schritte zu erreichen. „Wir brauchen zunächst den Stopp, dann eine Risikobewertung und erst dann eine Umweltverträglichkeitsprüfung“, stellte Tonne klar. Zudem wollte er den Termin nutzen, um deutlich zu machen, dass die Kritik an die Adresse der Firmenführung der Exxon Mobil gerichtet sei. „Wir haben hohen Respekt vor den Mitarbeitern der Exxon, die hier arbeiten und leben“, differenzierte Tonne. „Sie sprechen mir aus der Seele“, sagte Müller an Dose und Tonne gerichtet. Er habe zunehmend den Eindruck, dass der ländliche Raum die Energiewende maßgeblich schultern müsse. Mit Fracking komme ein weiterer Schritt hinzu. Es entstehe der Eindruck, dass der ländliche Raum „alles ausbaden müsse und andere profitieren“. Graf von Hardenberg erläuterte, dass sich der anfängliche Protest auf breiter Front zunächst gegen das Unternehmen Exxon Mobil gerichtet habe. Wichtiger sei jedoch, dass die Fracking-Kritiker jetzt politisch flankierend wirkten. Ziel müsse sein, dass Bergrecht zu ändern, auf das sich auch Exxon anfangs gestützt und mit dem all die Zwischenschritte – von einer Risikobewertung bis hin zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung – hätten umgangen werden können. Mehr als 50 Jägerinnen und Jäger aus Leese, Landesbergen, Stolzenau, Rehburg und Loccum haben die Resolution unterzeichnet, die auch der Landrat und die Landtagsabgeordneten erhalten sollen.

Pressespiegel vom 05.04.2012Quelle: Die Harke


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