Leeses Bürgermeister ist gegen Frackingbohrung
76 Fragen hat Leeses Gemeindebürgermeister, der Landtagsabgeordnete Grant Hendrik Tonne, jetzt an Exxon-Mobil geschickt. Das Unternehmen plant Fracking-Bohrungen in der Gemeinde, Tonne will das verhindern. Er befürchtet wie viele Einwohner Gefahren für das Trinkwasser.
Als Landtagsabgeordneter kennt er sich aus mit der gezielten Weitergabe von Informationen zur Durchsetzung von Einzelinteressen - er weiß, es gibt nicht nur eine Wahrheit. Denn es gehört zu seinem täglichen Geschäft, sich mit Lobbyvertretern auseinanderzusetzen. Kurz: Leeses Gemeindebürgermeister Grant Hendrik Tonne kann ein unangenehmer Gegenspieler für Exxon-Mobil werden. Das Unternehmen plant in der Gemeinde die Erdgasgewinnung per Fracking-Verfahren. Und das findet Tonne gar nicht lustig. Jetzt hat er einen Katalog mit 76 Fragen an Exxon-Mobil geschickt - mit der Aufforderung, diese bitte umgehend zu beantworten. „Wir als Gemeinde erwarten eine umfassende und zügige Beantwortung, damit es ausreichend Zeit und Gelegenheit gibt, die Antworten auszuwerten und zwar vor der Durchführung von Probebohrungen", schreibt Tonne an das Unternehmen. Der Gemeindebürgermeister macht keinen Hehl daraus, dass die Fragen neben der Informationsgewinnung das Ziel haben, die Glaubwürdigkeit des Unternehmens infrage zu stellen. Denn: „Wenn sie ehrlich sind, kommen sie nicht drum herum, einzuräumen, dass es Zwischenfälle gegeben hat, die auch zu Schadensfällen geführt haben", sagt Tonne. Die Aussagen der Exxon-Mobil seien teilweise „hahnebüchen". Der Bürgermeister sagt: „Es ist eindeutig, dass da jetzt PR-Berater am Werk sind, um die Vorhaben des Unternehmens in ein gutes Licht zu rücken." Tonne selbst hält das Fracking- Verfahren für potenziell gefährlich. „Da werden tonnenweise giftige Chemikalien ins Erdreich gepumpt, ohne sich über die Folgen richtig im Klaren zu sein. Ich bin der Meinung, das Verfahren ist noch nicht ausreichend erforscht." Deshalb sei er konsequent dagegen. „Rechtlich haben wir zwar nichts in der Hand, aber wir können den öffentlichen Druck hochhalten", sagt Tonne, und er fügt hinzu: „Der wächst hier in Leese von Tag zu Tag." Der Gemeindebürgermeister geht davon aus, dass es bis zum Infotermin am 13. Februar (17 bis 20 Uhr im Hotel „Pirandello") eine Bürgerinitiative geben wird. „Die Leeser werden auf die Barrikaden gehen." Was Tonne persönlich ärgert: „Exxon-Mobil hält sich nicht an Absprachen. Es hat eine Einigung auf das weitere Vorgehen gegeben, die das Unternehmen jetzt nicht mehr einhält. Die treten immer so freundlich auf, aber machen doch, was sie wollen." Es sei ein Fachgespräch mit sämtlichen Behörden in Aussicht gestellt worden, bevor das Verfahren angeschoben wird. Das hat es laut Tonne nicht gegeben. „Wir planen das und machen das. Das ist die Einstellung von Exxon- Mobil." Die in Aussicht gestellte Transparenz gebe es nicht, sagt Tonne - genau diese will er jetzt aber einsetzen, um Exxon-Mobil zu entlarven. Und außerdem: „Wir setzen jetzt komplett auf schriftliche Korrespondenz, auf mündlichen Abmachungen gebe ich nichts mehr", bringt Tonne sein Misstrauen gegenüber Exxon-Mobil zum Ausdruck.
Fragen zum Fracking
Bei den folgenden könnten die Exxon-Antworten besonders interessant werden: 76 Fragen hat Leeses Gemeindebürgermeister, Grant Hendrik Tonne, an Exxon-Mobil geschickt. Er fordert von dem Unternehmen detaillierte Informationen zur geplanten Fracking- Bohrung in Leese. Hier eine Auswahl der Fragen, die die interessantesten Antworten versprechen: Zu den verwendeten Chemikalien stellt Tonne gleich eine Reihe von Fragen an Exxon: Wie genau sieht die Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien aus, die zum Einsatz kommen werden (insbesondere Aufschlüsselung der verwendeten Chemikalien)? Welche Mengen an Chemikalien werden im Rahmen der Probebohrung zum Einsatz kommen (Aufschlüsselung nach den verwendeten Chemikalien)? Wird die Exxon- Mobil für jeden Frack aufschlüsseln, welche chemischen Additive in welcher Menge hinzugefügt werden? Welche Gefahren gehen von den chemischen Additiven im Einzelfall für Mensch, Tier und Umwelt aus? In der „Neuen Osnabrücker Zeitung Online" vom 06. Februar 2012 wird der Europa-Chef von Exxon-Mobil, Gernot Kalkoffen, zitiert, dass er davon ausgehe, dass in zwei Jahren aufgrund der Forschung ein vollständiger Verzicht auf Chemikalien beim Fracking möglich sei. Wie steht die Exxon zu dieser Ansage? Gerade dieser Themenkomplex dürfte die Anwohner und Wasserkonsumenten der Gemeinde besonders interessieren - es geht schließlich um eine potenzielle Gefährdung von Umwelt, Natur und der eigenen Gesundheit, die Exxon- Mobil bisher klein geredet hat. Zusammenfassend fragt Tonne: Kann die Exxon- Mobil eine Gefährdung des Grund- und Trinkwassers abschließend und definitiv ausschließen? Der Bürgermeister spannt außerdem einen Bogen zu einer weiteren Gefahrenquelle im Ort, der auf den ersten Blick gar nicht ins Auge fällt: Wie bewertet die Exxon die Hinweise, dass es bei der Gasförderung mittels der Fracking-Methode zu Erdbeben kommen kann? Kann diese Gefahr für den Standort Leese ausgeschlossen werden? Außerdem fragt Tonne nach Vorfällen, die sich in Niedersachsen bereits ereignet haben: Wie erklärt sich die Exxon-Mobil den Benzol-Alarm im Landkreis Verden an einer der vorhandenen Bohrstellen? Teilt die Exxon-Mobil die Einschätzung, dass es sich bei Benzol um einen gefährlichen, krebserregenden Stoff handelt? Wie erklärt sich die Exxon die Vorfälle in Söhlingen bei Rotenburg/ Wümme und Hengstlage bei Oldenburg, bei denen es zu Kontaminationen im Erdreich und im Trinkwasser kam? Kann die Exxon derartige Vorfälle in Leese definitiv ausschließen?